Verein für pädagogische Initiativen und Kommunikation e.V.

Holzbauweise, Wärmepumpe, Wandheizung mit Lehmputz: Neue Kindertageskrippe in Kiel mit Öko-Modellcharakter



Neue Kindertageskrippe in Kiel mit Öko-Modellcharakter: Holzbauweise, Wärmepumpe, Wandheizung mit Lehmputz

Das Neubaugebiet Neumeimersdorf im Süden von Kiel ist besonders bei jungen Familien beliebt. Direkt am Rande eines Naturschutzgebietes gelegen, bietet das Quartier mit Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie vielen Grünflächen ein attraktives Wohnambiente. Eine gut ausgebaute öffentliche Infrastruktur sorgt dafür, dass die Bewohner die wichtigsten Einrichtungen vor Ort vorfinden, ohne lange Wege zurücklegen zu müssen. Zur Infrastruktur gehört nicht nur ein großes Einkaufszentrum, sondern auch eine Grundschule, ein Kindergarten sowie eine Kindertageskrippe, die Ende 2009 errichtet wurde. PÄDIKO, der Verein für pädagogische Initiativen und Kommunikation e.V., legt als Bauherr besonderen Wert auf eine konsequent umgesetzte ökologische Bauweise. Für den Verein spielen nicht nur die Aspekte Umweltschutz,  Energieeinsparung und Energieautarkie eine große Rolle. Gleichermaßen wichtig ist die Vorbildwirkung des Gebäudes auf Kinder, Erzieher, Eltern und Besucher. Ökologische Baumaterialen wie Holz und Lehmputz, eine Kupferrohr-Wandheizung der Wieland-Werke AG sowie eine Dachbegrünung schaffen ein gesundes und behagliches Raumklima. Für die Energieversorgung des zweigeschossigen Gebäudes werden ausschließlich erneuerbare Quellen genutzt. Eine Wärmepumpe versorgt das energieeffiziente cuprotherm-Wandheizsystem mit Wärmeenergie, Photovoltaik- Paneele produzieren Strom. Aber nicht nur die eingesetzten Baustoffe und Energiequellen bringen die Natur ins Haus. Mit großen Glasfronten und einem Lichthof lässt das Bauwerk viel Tageslicht in die Innenräume. Zudem können eine große Außenfläche und ein Dachgarten mit Terrasse als Spielplatz genutzt werden.

 

 

Die Kindertageskrippe in Neumeimersdorf bietet mit einer Nutzfläche von rund 500 Quadratmetern Betreuungsplätze für insgesamt 35 Kinder unter drei Jahren – eingeteilt in insgesamt vier Gruppen. Das Bauwerk des renommierten Architekten Björn C. Siemsen berücksichtigt die Erkenntnisse und Erfahrungen der Reggio-Pädagogik. Diese legt bei der Kindererziehung Wert auf Naturnähe, Freiräume, eine Atmosphäre des Wohlbefindens und eine offene Kommunikation. Die Fenster der Gruppenräume setzen in einer kleinkindgerechten Höhe von 38 Zentimetern an.

Der nordseitige, rechteckige Gebäudeteil erscheint durch schräge Wände und Fenster wie gekippt mit einem begrünten Dach. Er beinhaltet Büroräume, eine Küche sowie einen großen Aufenthaltsraum für den Mittagstisch, umfangreiche Gruppenaktivitäten sowie Fortbildungen für die PÄDIKO-Mitarbeiter und Seminarteilnehmer.

Ein Lichthof in der Mitte des Gebäudeensembles sowie breite Gänge markieren die Verbindung zu den südseitig gelegenen, fast quadratischen Gruppenräumen. Drei Gruppen befinden sich im Erdgeschoss, eine Gruppe im Obergeschoss. Den Gruppenräumen schließen sich zur Gebäudemitte hin jeweils Schlaf- und Sanitärräume an. Großzügige Übergänge und Glastrennwände ermöglichen Durchblicke und Blickbeziehungen zwischen den einzelnen Räumen – ganz im Sinne der offenen Kommunikation. Das Gefühl der Offenheit trotz abgeschlossener Räume findet sich im gesamten Gebäude erklärt der Architekt Björn C. Siemsen, der sich hierzu auch andere sinnvolle Baudetails ausdachte, so zum Beispiel die verglasten Raumwände die gleichzeitig als Regale dienen zwischen den Gruppen- und Wickelräumen, sowie zu den jeweiligen Gruppenraum. 

Ökologischer Lehmputz, energieeffiziente Flächenheizung
Die gesamte Konstruktion und Haustechnik ist auf das ökologische Baukonzept ausgerichtet. Das Haus wurde als Holzrahmenbau errichtet, wobei die gesamte Gebäudehülle, Wände, Dach und Fussboden mit einer Zellulosedämmung ausgeblasen sind. Die verglasten Gebäudeteile sind als Pfosten-Riegel-Konstruktion in Holz ausgeführt, wobei die Glasfassade auf der Südseite passive solare Wärmegewinne ermöglicht. Den Großteil des Wärmebedarfs in der kalten Jahreszeit liefert das cuprotherm-Wandheizsystem der Wieland-Werke AG, das mit flexiblen Markenkupferrohren der neuen Generation CTX ausgeführt wurde. Insgesamt verlegten die Mitarbeiter eines Heizungsbauunternehmens etliche Meter Kupferrohre in der Abmessung 16 x 2 Millimeter. Die Rohrschlangen befestigten die Installateure mittels Kabelbindern auf Baustahlmatten, die ihrerseits auf Holzwolleplatten fixiert sind. Die gesamte Rohrinstallation wurde schließlich mit Lehmputz abgedeckt. Der natürliche und wohngesunde Baustoff verstärkt die hervorragende Wärmeleitfähigkeit der langlebigen Kupferrohre zusätzlich und sorgt damit für eine noch effizientere Temperierung der Räume. Die cuprotherm-Wandheizung von Wieland benötigt relativ geringe Vorlauftemperaturen von unter 40 Grad Celsius und harmoniert damit hervorragend mit dem Niedertemperatursystem. „Die Wärmepumpe als Energiequelle und Flächenheizungen ergänzen sich ideal“, zeigt sich auch der Architekt Siemsen überzeugt. „Mit dieser Kombination haben wir bei bereits realisierten KiTa-Projekten gute Erfahrungen gemacht“. Dabei liefert die WP-Anlage nicht nur Wärmeenergie für die Heizperiode. Die reversible Wärmepumpe kann in den Sommermonaten durch das „natural cooling“-Verfahren auch zur passiven Kühlung der Räume eingesetzt werden. Der Kühlprozess erfolgt dabei ebenfalls über die Wandinstallation, die über Verteiler angesteuert wird.

Wandheizung sorgt für hohen Wärmekomfort
Die positiven Erfahrungen mit Wandheizsystemen liegen nicht nur in der guten Kombinierbarkeit mit regenerativen Niedertemperatur-Energiequellen begründet. Neben dem sparsamen Energieeinsatz ermöglicht die cuprotherm-Wandheizung eine gleichmäßige Temperierung des Raumes, die als sehr behaglich empfunden wird – ein nicht zu unterschätzender Vorzug gerade in sensiblen Bereichen wie der Kleinkinderbetreuung. Bedingt durch die Wärmeabgabe größtenteils über Strahlung erwärmen Wandheizungen hauptsächlich die raumumschließenden Flächen, also den Baukörper, und nicht die Raumluft. Neben dem hohen Wärmekomfort kommt bei Wandheizungen zudem ein gesundheitlicher Aspekt zum Tragen: Durch die Strahlung findet im Raum so gut wie keine Luft- und Staubzirkulation statt. Dies ist gerade für Allergiker, deren Anteil auch bei Kleinkindern stetig steigt, ein großer Vorteil. Die Staubbelastung wird in der Kindertageskrippe zudem durch einen integrierten Zentralstaubsauger minimiert. „Gesundes Raumklima bei der Gebäudekonzeption bei mir generell einen hohen Stellenwert, insbesondere wenn man Räume für die kleinsten Kinder plant“, erklärt der Architekt Siemsen. „Das Wandheizsystem, die baubiologisch unbedenklichen Materialien und die Absauganlage sorgen in Summe für sehr gute raumklimatische Bedingungen.“