Verein für pädagogische Initiativen und Kommunikation e.V.

REGGIO-PÄDAGOGIK



Foto: Matthias Jahr

Reggio-Pädagogik ist nach dem 2. Weltkrieg in den kommunalen Kindertagesstätten in der norditalienischen Stadt Reggio Emilia von den dort tätigen Pädagoginnen und Pädagogen entwickelt worden. Ab 1970 wurden die Pädagogen von dem italienischen Pädagogen Loris Malaguzzi unterstützt. 

Seit Beginn der 80er Jahre kommen Besuchergruppen aus den verschiedensten europäischen und außereuropäischen Ländern nach Reggio, um dort in den städtischen Kindereinrichtungen zu hospitieren. 

1991 wurden die reggianischen Kindereinrichtungen von der amerikanischen Zeitschrift Newsweek als beste vorschulische Institution der Welt ausgezeichnet. Die Reggio-Pädagogik ist kein ausgefeiltes Theorie-Modell, aus dem sich bestimmte professionelle Handlungsweisen für die elementarpädagogische Praxis ableiten lassen. Sie lässt sich eher als Erziehungsphilosophie verstehen, die eine Reihe von Grundannahmen und flexibel handhabbaren Praxiselementen miteinander verbindet.

Die Reggio-Pädagogik ist mittlerweile der international am meisten anerkannte elementarpädagogische Ansatz, der nach der Reformpädagogik im 20. Jahrhundert entwickelt wurde. Der Ansatz ist attraktiv, weil er ein optimistisches Menschenbild und ein positives Bild vom Kind zugrunde legt.

Der Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen wurde schon mit dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) von 1991 gesetzlich verankert. Er wurde aber erst nach mehr als einem Jahrzehnt in den Bildungs- und Orientierungsplänen für den Elementarbereich der Bundesländer konkretisiert. Anstöße hierfür gaben die Diskussion der kritischen PISA-Ergebnisse ebenso wie die neueren Erkenntnisse der Neurobiologie. Die Erzieherin gewinnt in den neu definierten bildungspolitischen und bildungswissenschaftlichen Zusammenhängen außerordentlich an Bedeutung als professionelle Moderatorin von Bildungsprozessen jüngerer Kinder. Parallel dazu steigen die Anforderungen an ihre fachlichen Kompetenzen.

Der veränderte Markt hat den Wettbewerb zwischen den Einrichtungen verschärft. Das 08/15 Programm von Tageseinrichtungen bei dem Bastelarbeiten und Freispiel im Vordergrund stehen, deckt die geistigen Ansprüche von Eltern oft nicht mehr ab. Qualität ist gefragt. Und pädagogische Qualität muss erkennbar sein. Die Weiterbildungsreihe „Fachkraft für Reggio-Pädagogik“ bei Pädiko garantiert im Rahmen seiner Zusatzqualifikation in Kooperation mit der Ruhr Campus Academy (RCA), der Universität Duisburg/Essen und Dialog Reggio – Vereinigung zur Förderung der Reggio-Pädagogik in Deutschland e. V. genau diese Qualität.

Grundpfeiler der Reggio-Pädagogik:

 

  • Individuelle Entfaltung
  • Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung
  • Wertschätzung
  • Lernen in Projekten
  • Dokumentation der pädagogischen Arbeit
  • Elternbeteiligung und deren Mitverantwortung

Von ihren individuellen Bedürfnissen aus starten Kinder die Entdeckungsreise in ihre eigene Welt. Auf diesem Weg werden sie wertgeschätzt, begleitet, ermutigt Neuem zu begegnen und sich selbst frei zu entfalten.

Das Bild vom Kind

In der Reggio-Pädagogik wird das Kind als Konstrukteur seiner Entwicklung und seines Wissens und Könnens betrachtet. Es weiß am besten, was es braucht, und verfolgt mit Energie und Neugierde die Entwicklung seiner Kompetenzen. Das Kind wird verstanden als „eifriger Forschers“; denn es will Welt verstehen und in eine Beziehung zu sich bringen, und es will durch Experimente, durch Versuch und Irrtum seine alltagspraktische und soziale Handlungskompetenz erweitern.
Das Kind bildet sich selbst. D.h. es bestimmt selbst den Zeitpunkt wann es etwas über ein bestimmtes Thema lernt. Wir können uns sicher sein, das Kind weiß ganz genau wann es bereit für ein Thema ist.

Unsere Rolle  

Im Mittelpunkt des reggianischen Erziehungsmodells stehen wahrnehmende, forschende und lernende Kinder, deren Erfahrungen und Ausdrucksvielfalt sich in den 100 Sprachen äussern. Wir als ErzieherInnen sehen uns selbst als lernende und forschende Wegbegleiter der Kinder. Wir gehen ein Stück des Weges mit dem Kind gemeinsam auf Augenhöhe. Wir sehen uns als partnerschaftliche Begleiter/Begleiterinnen der Kinder. Wir zeigen nicht wie das Leben funktioniert, denn das wäre unsere Perspektive und nicht die der Kinder.

Dokumentation  

Die PädagogInnen sind lernende Beobachtende – sie bereiten die Forschungs- und Erfahrungsfelder für die Kinder vor: sie sind neugierig, offen und interessiert an den Handlungen der Kinder und sehen diese als jeweilige Grundlage für die offene Planung ihrer Arbeit und als Quelle für neue Ideen…

Die ständige Reflexion der Dokumente lässt Veränderung und Entwicklung erkennen und dient der Bewusstseinsbildung der PädagogInnen. Forschung wird verstanden als ein ständiges Wechselspiel zwischen Theorie und Praxis. Theorien werden in der Praxis überprüft – neue entstehen in Verbindung mit der Praxis. Gegenstand der Forschungen sind die Gedanken und Handlungen der Kinder.

Die Dokumentation gibt Aufschluss darüber, über welche Möglichkeiten die Kinder verfügen. Es geht nicht um die Kultur dessen, was wir über Kinder wissen, sondern um die Kultur der Kinder.

Es lassen sich allgemein drei Arten der Dokumentation unterscheiden: 

  • die Dokumentation von Projekten 
  • die Dokumentation des Tagesverlaufs in der Gruppe 
  • die Dokumentation der Entwicklungsschritte des einzelnen Kindes. 

Die Projekte  

Die Projektarbeit ist das Herzstück der Reggio-Pädagogik. Durch die Be(ob)achtungen der ErzieherInnen werden die Selbstbildungsprozess der Kinder erkannt. Die Projekte entstehen zum größten Teil aus den Gedanken, Fragen oder Gesprächen, die die Kinder in die Einrichtung tragen. Es gibt aber auch Projekte, die wir an die Kinder tragen.

Der Raum

Soll die Kinder anregen, provozieren, beschützen und/oder auffordern etwas zu tun. Wir nutzen den Raum um eine Atmosphäre des Wohlfühlens entstehen zu lassen. Der Raum wird als „dritter Erzieher“ gesehen.

Die Reggio-Pädagogik zählt weltweit zu den ambitioniertesten elementarpädagogischen Konzepten. Von einer Expertengruppe wurde sie 1991 als bester Ansatz für die Arbeit in Kindertageseinrichtungen ausgezeichnet.

Weiterführende Informationen

Umfangreiche Information (PDF) von Tassilo Knauf und Volker Fischer